01 — Die Ausgangslage
Umbauen, während das System läuft.
Rund 80 fachliche Nutzer:innen arbeiten in einem Umfeld, in dem Fehler nicht einfach nur nerven. Gleichzeitig entwickelt ein großes Programm weiter. UX muss hier Orientierung geben, ohne die Delivery auszubremsen.
Der Kontext:40 bis 60 Beteiligte im Programmkontext, komplexe Rollen und eine Plattform, die nicht einfach pausiert werden kann.
Die eigentliche Aufgabe:Entscheidungen so dokumentieren, dass Fachseite, Design und Frontend am Ende dasselbe bauen.
02 — Die Wirkung
Weniger Interpretationsspielraum. Mehr gemeinsame Richtung.
Beobachtet, nicht gemessen: Das Design-Feedback wurde fokussierter, Komponenten wurden einheitlicher umgesetzt, offene Fragen kamen früher auf den Tisch. Die Zahlen oben beschreiben das Programm, nicht mein Team.
Artefakte aus einem laufenden Infrastruktur-Programm sind vertraulich. Anonymisierte Flows und Komponentenbeispiele zeige ich gern im direkten Gespräch.
03 — Der Lösungsansatz
Das Richtige zuerst klären.
Entscheidung: das bestehende System modernisieren.
- Ausgangslage
Ein Design gab es schon. Auf PrimeNG, aber rudimentär: nicht responsiv, kaum modern. Die Fachseite hielt es für einen Prototyp. Im Frontend wurde jede Maske einzeln nachgebaut. Änderte sich etwas am System, musste es überall von Hand nachgezogen werden.
- Auf dem Tisch
- Ein radikales Redesign: stark vereinfacht, selbsterklärend, mit einer übergreifenden Suche als Einstieg.
- Ein Wechsel auf ein moderneres, flexibleres Designsystem.
- Das bestehende PrimeNG-System modernisieren und daraus wiederverwendbare Komponenten machen.
- Gewählt
Die dritte Option, abgestimmt mit dem Frontend-Lead. Neue Optik, klare Hierarchie über Überschriften und Intro-Texte, Komponenten, die einmal gebaut und überall genutzt werden. Bedient wird vor allem mit Maus und Tastatur. Touch muss das System trotzdem tragen.
- Verworfen
Die übergreifende Suche gab die Datenstruktur dahinter nicht her. Systemwechsel und kompletter UX-Umbau waren so spät im Projekt nicht mehr drin: Der Livegang stand fest, die Features waren über die Leistungsbeschreibung gesetzt.
- Der Kompromiss
Tabellenaktionen stehen jetzt im Klartext in einem Menü, nicht mehr nur als Icon. Das kostet Erfahrenen einen Klick. Neue sehen sofort, was passiert.
- Danach anders
Dry Runs, in denen das Frontend zeigt, was gebaut wurde. Ein fester Termin mit der Ansprechpartnerin auf Kundenseite. Besuche vor Ort, da wo die Fachnutzer:innen arbeiten. Wünsche und Grenzen offen auf dem Tisch.
- Nicht geklappt
Features zusammenlegen. Drei Funktionen, die eigentlich eine sein könnten, sind weiterhin drei. Dafür hätte die Leistungsbeschreibung neu verhandelt werden müssen, und dafür war es zu spät.
Fachlogik entwirren
Workflows, Rollen und Ausnahmen gemeinsam sichtbar machen. Erst dann lohnt sich der Sprung ins Interface.
Entscheidungen rahmen
Optionen mit ihren Konsequenzen nebeneinanderlegen, damit das Team entscheiden kann. Ein Beispiel dafür steht direkt darüber.
Delivery anschlussfähig machen
Komponenten, Zustände und Regeln so beschreiben, dass sie im Frontend nicht neu interpretiert werden müssen.
„In kritischer Delivery ist Klarheit Risikomanagement.“Was die Arbeit an Infrastruktur verändert
04 — Erkenntnisse
Was daraus hängen geblieben ist.
Wenn Widersprüche im Flow sichtbar werden, bevor sie im Code landen, spart das mehr als jede nachträgliche Politur.
Ein Komponentenname allein überzeugt niemanden. Die Regel dahinter macht ihn im Alltag belastbar.
